Unter dem Motto „saugut – saustark – sauhart“ veranstaltete der ASC 09 Dortmund zum fünften Mal in Folge den NRW Supercup Klassiker „Dortmund – Winterberg – Dortmund“, welcher in den vergangenen Jahren bereits von vereinzelten ERClern besucht und gefinished wurde. Letzteres sollte in diesem Jahr mein  erstes ernstzunehmendes Saisonziel darstellen und auf dem Weg zum Ötztaler Radmarathon eine Art Generalprobe darstellen. Für mich persönlich war diese Veranstaltung aufgrund des Start- und Zielortes etwas Besonderes. Einen Radmarathon in der Fussballhauptstadt zu absolvieren, hatte ich bisher noch nicht erlebt und somit gab es bereits beim Passieren des Westfalenstadions nahe der B1 das erste Gänsehaut-Feeling des Tages. Aber alles der Reihe nach…

Der Wecker klingelte um 4:40 Uhr, kurz zuvor zog eine kräftige Gewitterfront von Südwesten über Mönchengladbach Richtung Sauerland, so dass mich nahezu auf der kompletten Autofahrt der Regen begleitete. Kurz vor Dortmund wurde es langsam heller und das Wasser spritzte nur noch von unten. Nach längerer Parkplatzsuche ging es dann rasch zur Anmeldung, um die Startunterlagen abzuholen. Es standen bereits hunderte von Teilnehmern im Bereich der imaginären Startlinie und beim Blick auf die ersten beiden Reihen stellte ich mir die Frage: „Fährt hier auch jemand keine Lightweights?!“. Die Materialschlacht nimmt wirklich von Jahr zu Jahr immer stärker zu.

Ich befestigte schnell meine Startnummer am Trikot und am Lenker und stellte mich in den hinteren Reihen auf. Nach dem offiziellen Start um 6:30, ließ man wohl die weiteren Fahrer/-innen in jeweils 50er Blöcken zeitversetzt auf die nicht abgesperrte Strecke. Um 6:50 bekam ich dann endlich meinen Startstempel und die Fahrt ging los. Die ersten Kilometer rollte das Feld locker ein und ich versuchte aufmerksam ein schnelles Hinterrad zu erwischen. Dies gelang mir dann auch recht schnell und so fand ich mich kurz hinter Dortmund-Sölde am Hinterrad einer Dreiergruppe wieder. Mit einem flotten Tempo zwischen 35 und 40km/h ging es über HowiTown (Holzwickede) durchs schöne, allerdings an diesem Morgen sehr feuchte Ruhrtal. Lediglich die Temperaturen von um die 20°C machten es erträglich, da man ansonsten zwischenzeitlich nicht mehr unterscheiden konnte, ob das Wasser von unten, von oben oder von vorne kam. Dazu eine Luftfeuchtigkeit weit oberhalb von 90%. Die Sicht war jedenfalls mehr als bescheiden, so dass höchste Konzentration angesagt war. Nach circa 13km hatten wir den vor uns liegenden 50er Block eingeholt, wenig später holten wir erneut einen 50er Block ein, kurz vor der ersten Kontrolle fuhren wir dann erneut auf eine größere Gruppe auf. K1 lag 50km entfernt am schönen Möhnesee. Kurzer Blick auf den Tacho 31er Schnitt – läuft. Ich entschied mich für eine Banane und ein wenig Wasser für die Trinkflaschen und stellte mir die Frage: „Wer futtert Käse- oder Schinkenwurstbrote während des sportlichen Radfahrens?“.  Ein riesen Buffet, dass von der Auswahl allerdings eher etwas für eine hungrige Pfadfindergruppe darstellte.

Kurz nach der ersten Kontrolle dann die ersten nennenswerten Anstiege des Tages. Die „schnellen Drei“ hatte ich mit der Kontrolle verloren, aber alleine fuhr man aufgrund der über 950 Teilnehmer zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht. Die ersten kurvigen und noch ziemlich nassen Abfahrten nahm ich mit erhöhter Vorsicht und machte meine ersten Erfahrungen mit den lachsfarbigen Bremsbelägen von Koolstop – gefühlt war der Bremsweg deutlich länger als bei den Allwetter Bremsbelägen von Shimano! So lief die Strecke über Hirschberg, Berlar nach Wehrstapel zur nächsten Kontrolle bei Kilometer 80(?).Erneuter Blick auf den Tacho 29er Schnitt, aber dafür schon ein paar Höhenmeter im Sack.

Von dort ging es dann deutlich profilierter Richtung Winterberg. Auf halber Strecke traf ich auf vereinzelte Fahrer der „Grenzfahrer“ und somit auf weitere Mönchengladbacher, welche ich schon bei diversen anderen RTFs und Marathons gesehen hatte. Prompt kam man ins Gespräch und fuhr zügig Richtung Winterberg. 

In Winterberg hatte das Komitee zum warmen Buffet geladen, frische Pasta mit frisch geriebenem Käse, dazu allerlei Brote, Kuchen, Waffeln und Obst, Cola, alkoholfreies Bier, Wasser, Eistee, etc. ließen keine Wünsche offen. Hier konnte man zumindest erahnen, weshalb mit 30€ Frühbucherpreis, die Startgebühr fast 2,5fach so teuer war als bei anderen Marathonveranstaltungen in Siegburg, Euskirchen oder im Kölner Raum.

Frisch gestärkt machte ich mich dann auf den Rückweg, der laut Mitfahrerstimmen noch einiges zu bieten hatte. Zunächst ließ man das Fahrerfeld allerdings über die Winterberger Flaniermeile fahren, die Anfeuerrufe und die Begeisterung der „Zuschauer“ hielten sich an diesem Tag in Grenzen. Den Kahler Asten ließ man links liegen und so ging es nach einer rasanten Abfahrt raus ins weniger touristisch erschlossene Sauerland. Die nächste Verpflegungsstelle wartete in Grevenstein, aber hierhin führte ein längerer und zum Teil recht steiler serpentinenreicher Anstieg. Spätestens hier war ich froh, mich für eine 30-12er Kassette entschieden zu haben. So konnte ich den Anstieg mit einer Trittfrequenz oberhalb von 80 meistern. In Grevenstein waren 172km geschafft, den Schnitt hatte ich schon lange nicht mehr im Blick. Cola war ab hier ein treuer Begleiter in der Trinkflasche und zusätzlich hatte der Veranstalter Gel Samples von Zipvit ausgelegt. Einige der Grenzfahrer waren ebenfalls noch im Blickfeld, so dass ich die nächsten Kilometer weiterhin nicht alleine fahren musste. Von Grevenstein ging es ausschließlich über kleinere Nebenstrecken die letzten Kilometer durch das Sauerland hinaus. Das Höhenprofil erinnerte stark an den Frühjahrsklassiker „Flèche de Wallonie“ – ein ständiges Auf- und Ab bei Steigungsprozenten jenseits der 10% Marke. Kurz vor der 200er Marke winkte die Kontrolle in Eisborn. Die Beine waren noch recht gut in Schuss, der Kreislauf machte sich zumindest etwas bemerkbar, schließlich wäre in 2-5 Kilometer jeder zuvor in 2015 absolvierte Marathon zu Ende gewesen. Heute nicht. Es musste weiter gehen und es fehlten noch über 50(!) Kilometer. In den folgenden Kilometern traf man zunächst auf die Strecke der 112er RTF und kurz danach auch auf die Strecke der 51er RTF. Das zu diesem Zeitpunkt keiner mehr auf der Strecke war, war wohl klar. Auch die Anzahl der Marathonfahrer war sehr überschaubar. Den Großteil der Grenzfahrer hatte ich auf dem Weg nach Grevenstein verloren, andere Begleiter hingegen an den steilen Rampen abgehängt. Es wurde demnach ein recht einsamer Rückweg auf den letzten 40 Kilometern über die sogenannte „Erik Zabel Route“  entlang der südlichen Ruhr. Mein iPod war mein einziger Begleiter und aus den Kopfhörern schallte es „Always the hard way“  und „Suffer Survive“ – die Namen waren Programm. Kurz vor Hengsen winkte der letzte Anstieg des Tages, der mit 240 Kilometern in den Beinen endlos wirkte. Dann war es fast geschafft. Zurück über Holzwickede  und Sölderholz und dann kam auch schon das erste Dortmunder Stadtteil Schild. Eingebogen in die Schweizer Alle des Schulzentrums in Aplerbeck. Blick auf die Uhr 17:10. Genau 10 Stunden und 20 Minuten später, 252 Kilometer und 3700 Höhenmeter reicher, 6800 kcal ärmer mit einer Nettofahrzeit von 9:30 war das Ziel endlich erreicht. Ich war mehr als zufrieden. Im Zielbereich erhielt dann jeder Finisher ein „qualitativ hochwertiges“ Finisher T-Shirt (super hässlich von beiden Seiten mit Werbung zugekleistert) und eine Urkunde.  Darauf hätte man bei geringerer Stargebühr auch gut und gerne verzichten können.

Mein Fazit zur Veranstaltung fällt dennoch sehr positiv aus. Eine insgesamt sehr gute Verpflegung, eine top Ausschilderung entlang der Strecke, eine schier endlose Anzahl an freundlichen Helfern inkl. technischem Support an mehreren Kontrollen rechtfertigten dennoch den Startpreis und machten den Sauerland Extreme 2015 zu einem tollen Erlebnis! 

Bleib dran

Jörg Pferdmenges

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