"Der härteste Radmarathon Deutschlands!!!" So titulierte die Radsportzeitung ROADBIKE in einer Ausgabe Anfang des Jahres den im September 2015 zum zweiten Mal ausgetragenen Radmarathon SCHWARZWALD SUPER. Angekündigte 240 km Strecke und 6400 Höhenmeter mit der Überwindung der acht höchsten Gipfel des Hochschwarzwaldes ließen auch keinen Zweifel aufkommen, dass es sich hier um ein knochenhartes Gebirgsrennen handelt. Kein Wunder, dass mich ein solches Event anzog wie das Licht die Motten. Nur wenige Tage nach Kauf der Zeitung stand ich auch schon in der Starterliste. 

Am Samstag den 12.09.2015 ging es mit meiner Frau gen Süden in die Sonnenregion unserer schönen Republik, den Breisgau. In Freiburg ins Hotel eingecheckt ging es direkt zum nahegelegenen Örtchen Oberried, wo es nicht nur die Startunterlagen abzuholen galt, sondern auch am Folgetag in aller Herrgotts-Frühe der Start erfolgen sollte. Das knuffige 15 Quadratmeter große Wettkampfbüro mit 3 Helfern zeigte schon, dass es hier wesentlich familiärer und teils improvisierter zuging, als auf den vergangen Großevents VATTENFALLS CYCLASSICS und LA MARMOTTE. Irgendwie gemütlich :-)

 

Nach einer regenreichen, fast sintflutartigen Nacht stand am 13.09.2015 zur mehr als unchristlichen Uhrzeit 5:30 der Start auf dem Programm. In Oberried war es dunkel wie im Bärenhintern. Kein Wunde, dass dreimal auf die Mitnahme von Beleuchtung hingewiesen wurde. Mit einer informationsreichen und gut bebilderten Strecken-/Stempelkarte schickte man uns 300 Teilnehmer um Halb Sechs dann auf die Reise. Eine offizielle Zeitnahme und Wertung gab es nicht. Man bekam wohl jedoch an jeder Kontrollstation die Uhrzeit mit eingetragen, wann man dort eintraf.

Auffahrt auf den Thurner am frühen Morgen

Bereits nach 12 Kilometern war der erste von insgesamt acht Anstiegen erreicht, der Thurner (1030 m). 520 Höhenmeter auf knapp 9 Kilometer waren ein kleiner Vorgeschmack, was uns leidgeplagte Radler noch erwarten würde. Es war immer noch düster und kalt aber zumindest hatte der Regen eine Pause eingelegt.

Einer rasanten Abfahrt in der Morgendämmerung in die malerisch enge Hexenloch-Schlucht folgte bei Kilometer 50 der nächste Anstieg. Das Miststück Kandel (1241 m) stellte sich als der schwerste/anspruchvollste Berg des gesamten Rennens heraus. Die folgenden 12 Kilometer schraubte sich die Straße steil mit 12-13% in den grauen Himmel. Insgesamt knapp 1000 Höhenmeter am Stück galt es zu bewältigen. Solche Anstiege hatte ich eigentlich nur in den Alpen erwartet. Zu allem Überdruß hatte es sich Petrus offensichtlich anders überlegt und wollte der Arche eine zweite Chance geben. Es goss in Strömen. 

Auf dem Kandel bei Sonnenaufgang

Nach Bewältigung des Kandel, einer Stärkung auf der Gipfelverpflegungsstation mit Schwarzbrot & Schmand in allen erdenklichen Variationen ging es steil bergab wieder in Richtung Oberried. Die Nordschleife mit fast 100 km Strecke und über 2000 Höhenmetern hatte ich schon mal im Sack. Mittlerweile kämpften sich zaghaft die ersten Sonnenstrahlen ihren Weg durch die Wolken.

Hügelchen Nr. 3 nannte sich Rinken (1196 m) und wartete bei Kilometer 101 auf seine heranradelnden Opfer. Die 11 Kilometer lange Rampe beinhaltete dabei nicht nur 770 Höhenmeter, sondern auch teilweise Anstiege von bis zu 15%. Da die von uns benutze Westanfahrt jedoch lediglich ein schmales Asphaltband durch tiefsten Wald darstellte, wurden wir nicht durch lästigen Verkehr gestört. Hier sagten sich sprichwörtlich Hase und Fuchs „Gute Nacht“ sodass man die ganze Straßenbreite zur Verfügung hatte. 

Berg Nr. 3 der wenig befahrene und spärlich beschilderte Rinken

Das änderte sich an Deutschlands höchster Erhebung außerhalb der Alpen, dem Feldberg (1493 m). Die am Titisee vorbeiführend Straße hinauf zum Feldbergpass glich eher einer Autobahn als einer Mittelgebirgsstraße. Hauptaufgabe war hier 9 ½ Kilometer im Sattel zu bleiben, wenn die rasenden Idioten in Zentimeter-Abstand an einem vorbeirauschten. Bis dorthin fühlte ich mich auch blendend, sodass ich die 400 Höhenmeter bis zur eigentlichen Passhöhe mit zusätzlichen 200 garnierte, indem ich mit zwei weiteren Bekloppten die optionale Sackgassen-Verlängerung bis zum Feldberg-Gipfel erklomm. Oben erwartete uns standesgemäß eine Blaskapelle, die zwar nicht für uns, sondern eine 2000 Jahre alte Rentner-Kombo trällerte, aber egal…….man begrüßte uns mit Klatschen.

Auf der Abfahrt vom Feldberg hinunter nach Todtnau zeigte ich meinem blauen ROSE-Mädel mal wieder was Geschwindigkeit bedeutete. Kopf einziehen, treten wie ein Stier und Finger von den Bremsen sorgten bei den weiten Kurven für Tempi bis 95 Stundenkilometer. Herrlich :-)

In Todtnau hieß es nach 130 km den Wanzt erst einmal wieder vollschlagen. Suppen, Brot, Kuchen usw. wurden garniert mit zwei Flaschen Tannenzäpfle-Weizenbier……leider alkoholfrei :-(

Und weiter ging die Reise. In welche Richtung war ja klar: wieder nach oben! Der Belchen (1414 m) stellte sich mit seinen 820 Höhenmetern nicht nur als zweitschwierigster Anstieg heraus, er sollte auch zum härtesten Teil der Tour für mich werden. Pünktlich am Fuss des Berges meldete sich trotz Nahrungsaufnahme wie ein Schaufelradbagger ein Hungerast an. Ja Danke!!! 11 Kilometer schleppte ich mich den Berg hinauf. Meine Fahrtlinie glich der eines Besoffenen. Jeder Streifenwagen hätte mich so auf der Straße aus dem Verkehr gezogen. Aber trotzdem kam ich irgendwie oben an. Nach dem Äsen durch das üppige Gipfelmenü eröffnete sich uns Fahrern ein grandioser Ausblick. Die Alpen, die Vogesen, das Rheintal…..alles lag uns bei Traum-Fernsicht zu Füßen. Viel Zeit zum Bewundern blieb aber nicht. Ab aufs Rad und wieder runter.

Traumhafte Strecke mit Ausblick auf dem Belchen

Vom Belchen konnte man nun entweder direkt in Richtung Ziel nach Oberried fahren, was sich dann Silber-Tour genannt hätte oder man bog auf die Südschleife zur Gold-Tour ab, welche weitere zwei kleine Schweinehunde zu bieten hatte. Ich wählte natürlich das Goldstück und begab mich bei mittlerweile stahlblauem Himmel und Sonnenschein auf die Südschleife. Die beiden zu bewältigenden Anstiege nannten sich Kälbelescheuer (1040 m) und Hochkopf (1079 m). Nie zuvor von gehört, aber mit zweimal 10 Kilometer Anstieg, je 700 Höhenmetern und bis zu 16% Steigungen gab man mir schnell zu verstehen, dass ich diese Wissenslücke bitter bereuen würde. Denn mit mittlerweile gut 200 km in den Knochen fuhren sich die Dinger irgendwie nicht mehr so locker. 

Die schattige und steile Auffahrt auf den Hochkopf

Aber auch die Südschleife hatte irgendwann mal ein Ende. Letztes Hindernis vorm Ziel stellte der Schauinsland (1284 m) dar. Die Nr. 8 auf der Liste! Der knapp am Gipfel vorbeiführende Notschreipass stellte sich jedoch mit 500 Höhenmeter auf 7,5 Kilometer als Leichtester aller Anstiege heraus und war quasi nur noch ein zaghafter/schwacher Versuch, uns Fahrer kurz vor dem Ziel zum Aufgeben zu bewegen. Nicht mit mir :-)

Nach 12:05 Stunden erreichte ich mit den letzten Sonnenstrahlen das Ziel in Oberried und bekam dort erst einmal eine Pulle Bier in die Pfoten gedrückt. Was für symphatische Sportler hier :-) Mein Tachometer zeigte ganze 258 Kilometer und 6295 Höhenmeter an. Sagenhaft!!! 

Es wurde also nicht zuviel versprochen. Der Schwarzwald Super ist hammerhart und wahrlich der härteste Radmarathon Deutschlands. Zu allem Überfluss führt er auch noch durch eine traumhafte Landschaft. Echt zu empfehlen! Aber einen kleinen Hinweis an die Organisatoren hätte ich noch. Bei 260 km Strecke wäre doch das ein oder andere Richtungsschild mehr wünschenswert. Nur so, dass man nach 20 km oder an einer großen Kreuzung noch ansatzweise weiß, wo man hinfahren muss und nicht mittels Routenplan und Blick in die Sterne navigieren muss. Das wäre echt „Super“ :-)

 

Bleib dran,

Dirk Gütte

Zum Abschluss noch mal das imposante Höhenprofil der Goldtour :-) :-) :-)

 

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